
Was reizt aber, immer wieder als „Wiederholungstäter“ in den
Süden von Fuerte an die Playa de Sotavento zu kommen. Für einen fanatischen
Windsurfer ist das eigentlich recht einfach zu beantworten. Zunächst einmal der
Wind, um diese Jahreszeit gibt es kaum einen Spot mit so guter Erreichbarkeit,
der hier bessere Werte vorzuweisen hat. Nun gut, das alleine ist es natürlich
auch wieder nicht. 4,5 Flugstunden, praktisch täglich eine Flugverbindung von
vielen deutschen Flughäfen, so daß man jeden Urlaubstag ausnutzen kann und ein
Surfspot, an dem es reichlich Platz gibt, vorausgesetzt man ist mit eigenem
Material angereist. So muß man nicht im „abgesteckten“ Surfgebiet des Rene Egli
Center I bleiben und kann die ganze Weite der Playa de Sotavento genießen. Dem
Naturschutz sei Dank , ist das Hotel Melia Gorriones weiterhin das einzige
direkt am Spot, so daß es viel Platz ohne Windlöcher gibt. Nach der letzten
Renovierung vor einigen Jahren, hat es sehr an Ambiente und Qualität gewonnen.
Der alte „DDR-Charme“ der frühen Jahre ist eindeutig weg. Die Eingangshalle mit
den Chill out Ecken der „Gabi-Bar“ und der gleichartig
gestylten Terrasse ist wirklich sehr
ansprechend gestaltet. Das Essen ist nach wie vor keine Gourmetküche , aber
guter Standard und Fisch bzw. Fleisch kann man sich immer frisch zubereiten
lassen. Leere Tabletts gibt es nicht, egal zu welcher Zeit man isst! Am meisten
reizt aber die geniale Lage des Hotels, bei Zimmern mit Meerblick, insbesondere
nach Süden, der unverbaute Blick auf die Lagune und der wunderschöne Garten.
Das abendliche Unterhaltungsprogramm ist allerdings nicht so ganz der
„Bringer“. Nachtschwärmer müssen an die Costa Calma oder nach Jandia. Das Auto
sollte man aber stehen lassen, wenn man kein Asket ist, die Kontrollen sind
zahlreich und die Strafen drakonisch, die Taxipreise noch erschwinglich (ca. 10
€ an die CC und zurück). Die „Surferszene“ trifft sich insbesondere am
Donnerstag und am Samstag an der Costa Calma, zunächst in der Fuerte Action
Bar, ab Mitternacht geht es dann in`s Catas. Hier kann man dann bei Bedarf open
end „abzappeln“. Wer seine Unterkunft an der Costa Calma bezogen hat, hat jetzt
den Vorteil, daß er nach dem Nightlife auch nach Hause laufen kann und sich das
Taxi spart.
Eigentlich kommt man aber des Windes und Surfen wegen nach
Fuerte. Beeindruckend ist zunächst einmal die Windstatistk. Im Mai/Juni liegt
diese bei 70-90% > 4+Bft nach vielen Jahren eigener Erfahrung. So
hatte ich schon 2 Wochen-Urlaube, an denen ich jeden Tag Surfen „musste“ und
das mit Material, welches ich zu Hause als klein einstufen würde. Mein kleines Sturmgepäck
für Sotavento umfasst ein 78er und ein 98er Wave Freestyleboard und Segel mit
4,1/4,7/5,3/5,8qm². Damit geht bei meinen 75kg Kampfgewicht praktisch immer
was.

Sotavento ist darüber hinaus nicht nur der
„Flachwasserspot“, als der er zumeist eingestuft wird. Gerade im Mai/Juni läuft
an manchen Tagen bei aufkommender Flut ein netter bis zu 1,5m hoher (die Locals
sagen manchmal auch noch höher) Beachbreak, der zusammen mit der genialen
side-off Windrichtung auf einigen Wellen mehrere Turns zulässt. Insbesondere in
Lee des abgesteckten Surf-/Kitegebietes laufen dann die Wellen besonders schön
und man kann das dann ganz stressfrei und zumeist ganz alleine genießen. Gerade
um diese Jahreszeit sind meiner Erfahrung nach, solche Tage an diesem Spot gar nicht
so selten. Insbesondere noch nicht ganz „sattelfeste Waverider“ können hier
gefahrlos trainieren und sich das Gefühl für die Welle holen, da es eigentlich
nie so heftig wird, dass es schwierig wird rauszusurfen und die Wellen, auch
wenn sie mal selten 1,5-2 m erreichen, eher harmlos brechen. Um ganz entspannt,
so richtig Spaß zu haben, reicht es aber allemal! Im Bereich des Center II an
„der Düne“ können die Wellen sogar manchmal in richtig schönen Lines laufen,
dazwischen ganz glattes Wasser, ideale Bedingungen, um beim raussurfen richtig
hoch zu springen und beim reinsurfen einen langen Ritt, von der Ecke der Bucht
bis hinab zur Düne zu haben. Vor einigen Jahren hatte ich das Glück einen
solchen Tag zu erwischen. Das bleibt unvergesslich!

Dreht der Passat von NO auf mehr N und ballert es dabei so
richtig, kommt die legendäre Speedpiste von Fuerte in Höchstform. Ich hatte im
letzten Jahr das Glück einen Tag, leicht überpowert, mit meinem 4,1er Wavesegel
und dem 78 er Wave/Freestyleboard meinen persönlichen Geschwindigkeitsrekord
bei spiegelglattem Wasser in Ufernähe, aufzustellen. Ich war erstaunt wie
gnadenlos schnell man selbst mit Wavematerial über die Speedpiste ballern kann
und dabei einen Höllenspaß hat. Nach 2 Kilometern leitet man die Halse ein und
kann dann aufgrund der besondern Windablenkung an der Playa Barca, in einem
Schlag hart am Wind die gesamte verlorene Höhe wieder aufkreuzen und danach zum
nächsten „Höllenritt“ starten. Diesmal langte der Wind bei diesen Bedingungen
nur für den 98er mit dem 5,8er, das Speederlebnis war dennoch genial. Für
Speedfreaks ist das eine echte Empfehlung! Eines sollte man jedoch beachten:
Seid fair zu den, wenn auch ganz wenigen Schwimmern auf der Speedstrecke! Die
„aufgerissenen“ Augen der Schwimmer signalisieren eindeutig, daß sie nicht
sicher sind, ob der, der da gerade so angenagelt kommt, das auch wirklich im
Griff hat. Also frühzeitig einen kleinen Schlenker machen, damit man nicht
Schuld an einem plötzlichen Herztod eines erholungssuchenden Rentners hat!

Ein echtes Highlight am Sotaventobeach ist der
professionelle Fotodienst von Roger Protzen, der seit 3 Jahren am Spot lebt,
selbst begeistert surft und seine Fotografendienste allen Surfern gegen Bares
anbietet. Roger, ein sehr sympathischer und entspannter Mensch, hat Deutschland
vor 3 Jahren den Rücken gekehrt und betreibt seitdem am Pro Center I seinen
Photoservice. Man kann den Fotografen entweder für eine bestimmte Zeit exklusiv
mieten oder man muss Roger im Laufe des Tages, wenn er mit seiner Kamera am
Strand ist, oft genug vor die Linse fahren und dabei je nach Wind- und
Revierbedingungen, das persönliche Lieblingsmanöver zelebrieren, welches man
schon immer mal in gestochen scharfer Qualität zu Hause an die Wand hängen oder
als Desktophintergrund zum kurzen Abschalten vom Alltagsgeschäft auf den PC
laden wollte. Mit digitaler SLR und Superteleobjektiv vom Strand aus, bzw. mit
„normaler“ Optik und wasserdichter Verpackung auf seiner „Rettungsinsel“
schwimmend, entstehen so Fotos, die auch den „Otto Normal Surfer“ richtig gut
aussehen lassen. Neben der professionellen Ausrüstung hat Roger natürlich auch
das geschulte fotografische Auge und weiß als selbst sehr guter Surfer, auch
sehr genau, wann der richtige Moment zum „Abdrücken“ gekommen ist. Die Serienbildfunktion
der Kamera tut ihr übriges dazu. Braucht Roger dann mal eine Pause vom
Sandstrahlen bzw. ist die Speicherkarte voll, geht es an die Strandbar. Hier
hat er sein „Büro“ mit PC und großem Flatscreenmonitor an der Wand, so dass die
aktuellen Bilder sofort hochgeladen und als Diashow gezeigt werden können. So
kann sich jeder gleich seine Bilder raussuchen und bestellen. Alternativ legt
Roger für jeden, der seine Bilder des ganzen Urlaubes sammeln möchte,
einen Order im PC an, dann kann man am Ende
die Auswahl treffen und sich eine CD brennen lassen. Alle Bilder werden darüber
hinaus tagesaktuell für 2-3 Monate unter
www.spot-shot.com
ins Internet gestellt, so dass man sie auch zu Hause noch in Ruhe anschauen und
auf Wunsch bestellen kann, Lieferung per mail oder CD.